Wie t-online.de seine Leser „betrügt“ am Beispiel Cholesterin

Da gibt es auf t-online.de einen Artikel zum Thema Wie man Cholesterinwerte richtig deutet. Auch ich habe ihn beim Lesen angeboten bekommen und darauf geklickt.

Beim Lesen kamen mir an einigen Stellen schon Bedenken, weil viel mit Behauptungen ohne Belege gearbeitet wurde.

Da steht zum Beispiel, dass Menschen ohne Risiko unter 115 LDL haben sollen – ohne Angabe der Quelle:

Auszug Webseite t-online.de

Ein paar Basisinfos dazu gibt es hier und hier und hier und hier und hier.

Wer Lust auf Pharmapropaganda hat, der sollte den ganzen Artikel lesen aber nicht alles glauben. Denn es wird noch lustiger.

Am Ende des Artikels finden sich nämlich folgende Angaben:

Auszug Webseite t-online.de

 

Unter dem Artikel steht rechts ganz klein und in hellgrau kaum sichtbar, daß es sich bei dem gesamten Text um eine Anzeige handelt. Also nicht seriös recherchiert sondern knallhart propagiert. Das sind gesetzliche Pflichtangaben, die eigentlich gut sichtbar direkt zu sehen sein müßten.

Und es kommt noch besser. T-online weist darauf hin, daß sie selbst den Artikel geschrieben haben aber das Themenfeld Cholesterin hier präsentiert wird in Zusammenarbeit mit der Amgen GmbH?!

Aha!

Wissen Sie wer das ist? Die Amgen verkauft Pillen und macht Profit mit Cholesterinsenkern.

Stolz schreiben Sie im Presseportal dazu:

Diese PCSK9 Hemmer sollen Profit erwirtschaften und sie stehen massiv in der Kritik:

„Inzwischen wurde die FOURIER-Studie veröffentlicht, die den Nutzen des PCSK-9-Antikörpers Evolocumab untersuchte [8]. 27.564 Patienten nach kardiovaskulärem Ereignis bzw. bei diagnostizierter peripherer AVK erhielten Evolocumab oder Placebo zusätzlich zu einem Statin. Nach 2,2 Jahren war das LDL auf 30 mg/dl (unter Statin-Monotherapie auf 92 mg/dl) gesenkt worden. Der primäre Sammelendpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Infarkt, Schlaganfall, Klinikeinweisung wegen instabiler Angina und koronarer Revaskularisation lag unter Evolocumab bei 11,3 vs. 9,8 % entsprechend einer absoluten Risikosenkung um 1,5 %. Kardiovaskuläre (1,8 vs. 1,7 %) und Gesamtsterblichkeit (3,2 vs. 3,1 %) wurden nicht signifikant beeinflusst.

Mit anderen Worten: Nach den Erkenntnissen dieser Studie lebten Hochrisiko-Patienten, die sich Evolocumab injizieren, trotz intensivster LDL-Senkung nicht einen Tag länger. Noch wichtiger: Subgruppenanalysen im Anhang der Studie zeigen, dass bei europäischen Patienten kein einziger der Endpunkte signifikant beeinflusst wurde [9]. Das Fazit des Arznei-Telegramms: „2 Mio. Euro pro verhindertes Ereignis, kein Einfluss auf die Sterblichkeit, Nutzen in Europa unsicher, …“.

Ich empfehle statt der Pharmapropaganda bei t-online und in anderen Medien das Buch „Mit zehn Stents ist noch lange nicht Schluß“, weil da einer schreibt, der diese ganzen Lügen am eigenen Leib erlebt hat.

Und wem das nicht reicht, der sollte einfach hier mal weiterlesen.

Weil die meisten Menschen gerne eine Tablette wollen statt ihr Verhalten zu ändern und sich mit ihrer eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen, wird das Geschäft mit den Tabletten natürlich weitergehen.

Aber dennoch halte ich das Vorgehen von t-online.de auf der Webseite für eine bewußte Täuschung der Leser, die meiner Meinung nach davon abgehalten werden sollen zu erkennen, daß es sich um eine komplette Propagandaanzeige eines Pharmaunternehmens handelt. Das ist unseriös weil eine informierende Darstellung aufzeigen würde, daß den hier gemachten Aussagen vielfach widersprochen wird, besonders von Fachleuten in Fachmedien. Hier aber ist es total einseitig dargestellt und läßt andere abweichende Argumente völlig außer Acht bei der Darstellung.

So finden sich in den Leitlinien für KHK von 2019 folgende Informationen:

„7.2 Lipidsenker

Basis der lipidsenkenden Therapie sind Lebensstiländerungen, insbesondere körperliche Aktivität, Tabakkarenz und eine adäquate Kalorienaufnahme (siehe auch Kapitel 6 Konservative, nicht-medikamentöse Therapie). Bei erhöhten Triglyzeridspiegeln kommt der Alkoholkarenz eine besondere Bedeutung zu….

Die heute empfohlenen Zielwerte sind für einen großen Teil der Betroffenen nicht erreichbar. Selbst in den Hochdosisstudienarmen erreichen weniger als die Hälfte der Teilnehmenden den heute vielfach empfohlenen LDL-Cholesterinspiegel von 70 mg/dl [256]. Noch problematischer ist die Situation in der Routineversorgung. Entsprechende Untersuchungen zeigen, dass selbst Hochrisikopatienten mit KHK in den USA nur zu 18% [257] bzw. 14% [258], [259] das Ziel von einem LDL-Cholesterinspiegel < 100 mg/dl erreichen. Ob die nur parental verabreichten PCSK9-Hemmer diese Situation verändern können, bleibt abzuwarten.“

Das alles ist in dem Buch noch besser dargestellt.

Und damit komme ich zurück zu t-online.de. Ich gehe davon aus, daß dies hier nur ein Beispiel von sicher ganz vielen ist. Wenn man schon hier so kritisch schauen und lesen muß, dann kann man sich vorstellen, was wir alles täglich ungefiltert aufnehmen, wenn wir Medien konsumieren. Besonders bemerkenswert erscheint mir dann noch, daß solche Medien für sich einen journalistischen Anspruch erheben und ihre Mitarbeiter vielleicht auch noch einen Presseausweis für solche Artikel erhalten.

Ich halte dies nicht mal für Journaille sondern für einen skrupellosen Manipulationsversuch aus niederen Beweggründen – echt ekeligen „Schmierenjournalismus“ auf Kosten von Leserinnen und Lesern, die sich für ihre Gesundheit interessieren.

Damit ist das Thema aber noch nicht zu Ende. Es kommt noch besser. Wenn man sich jetzt über die Cholesterinwerte informieren will und dies alles kritisch sieht, geht man heute auf google.

Und was kommt da?

 

Das erste Suchergebnis bei einer kritischen Auseinandersetzung mit Cholesterinwerten ist genau dieser Artikel auf t-online.de – also eine unglaubliche Manipulation mit Hilfe der kommerziellen Suchmaschine google.

Auf Suchseite 9 bei google gab es dann einen guten Link.

Ich höre hier auf, den Rest können Sie sich denken. Bedienen Sie sich dazu einfach ihres eigenen Verstandes…

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