Der neue Nazigeist

Dieser Artikel steckt voller eigener Beobachtungen. Ich reflektiere über das, was ich sehe und erlebe und möchte diese Beobachtungen niemand aufdrängen. Mit geht es auch nicht um Einflussnahme sondern um Beschreibung von Zuständen im Zeitgeist. Wenn sie es anders sehen schreiben sie es auf.

Ich beginne mit dem Geist der Nazizeit. Wie konnte es soweit kommen? Diese Frage bezog sich immer auf die Zeit von vor 1933. Aber dies ist meine Sicht wie ich festgestellt habe.

Denn wer heute 30 ist denkt anders als der, der heute um die 60 ist. Alle 30 Jahre entdecken die Generationen die Welt neu?

Wer damals dabei war oder mit den Zeitgenossen dieser Zeit lebte, versteht in der Regel unter einem Nazi einen Anhänger des Nationalsozialismus, also Anhänger vom Glauben an die Überlegenheit der nordischen Rasse, die Vernichtung unwerten Lebens, die Ermordung Andersdenkender usw.

Ich wurde im Gegensatz zu diesen Werten demokratisch erzogen. Dazu gehörte ein starker Rechtsstaat, Verläßlichkeit vor Gericht und Schutz durch Polizei und ein Sozialstaat, der die, die hier arbeiten und leben bei Alter, Krankheit, Berufsunfähigkeit usw schützt auf dem Boden des Grundgesetzes.

Ein wesentlicher und selbstverständlicher Bestandteil war dabei der Einsatz für die Demokratie in der Bundeswehr oder im Zivildienst bis zu 2 Jahren. Das war normal und hat unsere Demokratie zusammengehalten. Der Staatsbürger in Uniform wurde gelebt und die Bundeswehr war so selbstverständlich wie das Krankenhaus um die Ecke.

Heute sind wir gut 30 Jahre weiter und alles ist anders. Als DDR und BRD zusammenkamen begannen die Raubzüge, die nun die Gesellschaft dauerhaft zerstören. Der Mantel für dies alles nannte sich Neoliberalismus, alle Regierungsparteien machten damals mit. Sie führten dann noch die Agenda2010 ein, um die staatstragenden Schichten zu zersetzen und haben mittlerweile ihr Ziel erreicht.

Wie konnte es so weit kommen? Das ist eine Antwort darauf.

Ich habe bei der Einführung der Hartz 4 Gesetze erlebt wie schnell die Demokratie und das Grundgesetz außer kraft gesetzt wurden. So wird es auch bei Hitler gewesen sein. Man ändert formal Gesetze so daß sie gegen die Verfassung verstoßen, wendet sie an und die Verfassungsrichter schauen weg, weil sie lieber bei den Mächtigen mitmachen.

Und man nutzt Wörter anders. Heute ist der, der für die Kraft des Rechts und den demokratischen und sozialen Rechtsstaat und Grenzen eintritt, ein Rechter oder sogar Nazi, je nachdem wer das sagt. Der Demokrat ist ein Nazi?

Der echte Nazi kann sich bei solchen politischen Kapriolen natürlich leicht verstecken… Übrigens hat der Chef des Verfassugsschutzes, Haldenwang, gesagt, daß die echten Rechten möglicherweise durch Merkels Flüchtlingspolitik stärker geworden sind…

Das aber nur am Rande und damit zurück zu den sozialen Mechanismen im neuen Deutschland.

So werden z.B. ehrliche Arbeitnehmer, die arbeitslos geworden sind, kriminalisiert und stigmatisiert. Fleiß wird bestraft und man kommt in eine Behörde, die alles tut, um aus Staatsbürgern eine neue Art von unteren Menschen zu machen. Und man erklärt ihnen, daß sie bis zum Tod ganz wenig erhalten, weil man ihre Ansprüche im Alter politisch gewollt so zusammengekürzt hat, daß sie als Rentner kaum noch über die Runden kommen.

Besonders bemerkenswert sind folgende Tatsachen. Die Rente mit 67 wurde eingeführt, weil man prognostizierte, daß Deutschland schrumpft und wir immer weniger Menschen haben. Wir haben aber am 28.06.2019 über 83 Millionen Menschen in Deutschland, also mehr als jemals zuvor!

In Österreich, Dänemark, den Niederlanden und anderen Ländern direkt um uns herum können die Menschen, die gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente gut leben. Bei uns wurde politisch die Verarmung fast der gesamten entstehenden Rentnergeneration der nächsten zehn Jahre umgesetzt. Die Rente ab 67 müsste nun rückabgewickelt werden und alle Kürzungen müßten zurückgenommen werden – einfach gesagt, von Österreich lernen heißt sozialpolitisch siegen lernen.

Das ist aber noch nicht alles. Ehemalige Junker und echte Millionäre haben zusammen mit dem Parlament aus einer Bundeswehr eine Söldnerarmee gemacht und eine Politikerin, die systematisch die Bundeswehr durch Beratungsgesellschaften ausplündern läßt und Hartz4 bis heute verteidigt, darf weiter ihr Unwesen treiben. Da fragt man sich wo hier noch Recht und Staat eine Rolle spielen.

Das alles und noch viel mehr wirkt sich mittlerweile massiv aus und zerstört den sozialen Zusammenhalt extrem.

Früher wurde man eingezogen und erlebte Gemeinschaft und Verpflichtung außer einigen Drückebergern, die in Vaters Betrieb als unabkömmlich galten. Heute ist man nach der Schule völlig verpflichtungslos sich selbst überlassen. Es mag dann Familien geben, die es schaffen, ihren Kindern den weiteren Lebensweg positiv vorzuzeichnen.

Aber ich erlebe, daß da, wo die Familienverhältnisse anders sind, selbst im Mittelschichtmilieu heute die jungen Männer und auch Frauen ohne soziale Verpflichtungen und ohne die Sozialisation durch die Bundeswehr mit Anfang zwanzig zu hause hocken und nachts am PC brüllend und schreiend Computerspiele und ähnliches machen.

Früher wurde es laut wenn junge Menschen manchmal alkoholisiert nach Hause kamen, heute ist es fast jede Nacht laut weil sie zu hause hocken und sich täglich in einen Spielrausch und Computerrausch begeben. Die Eltern oder Patchworkfamilien sind mehr oder weniger machtlos, sie kennen es selbst nicht, sie sehen auch nicht das Suchtpotential und sind froh wenn nichts anderes passiert.

Sozial und unter Menschen und für das Land passiert unter diesen Bedingungen nichts mehr, unsere Gesellschaft zerfällt, weil der Zusammenhalt als Sozialisationsfaktor abgeschafft wurde und das einzige, was dabei bleibt, ist der Konsumismus, der mit Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit verwechselt wird.

Was Karl-Markus Gauß hier für England vor ein paar Jahren beschreibt ist mittlerweile auf Deutschland übertragbar:

„Der Aufstand der Jugendlichen aus der britischen Unterschicht ist vielleicht der erste, der mittels neuer Technologien organisiert wurde und nichts anderes als den Besitz gerade dieser Technologien zum Ziel hat. Denn die wütenden Burschen und Mädchen aus der Vorstadt von London und Birmingham verabreden sich über ihre Handys und über Facebook, in welcher Straße sie sich treffen, um sich gemeinschaftlich in den Be-sitz jener Handys, Blackberrys und Computer zu setzen, mit denen sie miteinander kommunizieren und sich ihr Bild von der Welt erschaffen.Jahrelang wurden sie mit einer brutalen Pädagogik des Konsumismus traktiert, die in England die alte Rohrstock-pädagogik des Verzichts ersetzt hat. Das Fernsehen mit seinen Reality-Serien und Shows, in denen die Verlierer auf nichts als den Triumph des Gewinnens, die Sozialhilfeempfänger auf das Glück des Habens eingeschworen werden, diese mediale Maschinerie, die gerade in Großbritannien unerbittlich rattert, hat einen Hunger geweckt, den sie aus Eigenem nicht stillen können. …Gleichsam über Nacht sind die jungen Leute des Viertels dazu übergegangen, sich die Markenwaren, die ihre Helden in Werbespots und auf Leuchtreklamen anpreisen, rabiat anzueignen. Weil sie niemals das Geld aufbringen können, sie rechtens zu erwerben, setzen sie sich als Plünderer in ihren Besitz, aufgestachelt von den Hasspredigern der individuellen Bereicherung, deren fanatischen Appellen sie im Fernsehen, in den Magazinen, im öffentlichen Raum beständig ausgesetzt sind und die sich jetzt pflichteifrig von ihnen distanzieren.In einer Zeit, in der individuelle Bereicherung gepredigt und allgemeiner Sozialabbau betrieben wird, finden sich die Jugendlichen der Unterschicht in einem Konflikt zweier Gebote, der durch jeden Einzelnen von ihnen schneidet. Das alte Gebot verlangt von ihnen, dass sie Dinge, die sie haben möchten, nicht stehlen dürfen, sondern kaufen müssen. Das neue Gebot fordert hingegen von ihnen, dass sie unentwegt konsumieren, weil sie, sobald sie ihren Status nicht mittels Markenartikeln präsentieren können, nichts bedeu-ten, nichts sind als menschlicher Abfall, Gesindel an den hereinbrechenden Rändern der Gesellschaft. Es ist ein unglaubliches Spektakel, das die Jugendlichen aus der Unterschicht bieten, wenn sie die Tempel des Kon-sums stürmen, ausplündern und schließlich abfackeln. Noch indem sie alles kurz und klein schlagen, huldigen sie der Religion, zu deren Lobpreis diese Tempel errichtet wurden, und indem sie sich durch brennende Straßen mit lauter Diebesgut auf den Weg nach Hause machen, in desolate Sozial wohnungen, die sie mit neuestem technischen Zeug ausstatten, bieten sie einen staunenswerten Anblick: Anarchisten, die die herrschende Ordnung bestätigen, Rebellen, die sich plündernd und prügelnd unter die Herrschaft jener Werte stellen, gegen die sie verstoßen. Bewaffnet mit Handys, Brandfackeln, Schlagstöcken stürmen sie die Bas-tionen des Konsumismus, um sich diesem zu unterwerfen. Das Stück, das auf der englischen Sommerbühne in diesem August 2011 gespielt wird, hat den Titel: Die Brandstifter als Biedermänner.“

Zusammenleben in Freiheit bedeutet eine Gemeinschaft in Vielfalt mit Rechten und Pflichten aufbauen. Das geht nur im „National“staat, der bestimmendes Prinzip unserer Weltordnung ist und echte Chancen auf ein besseres Leben durch eigene Anstrengung statt durch viele Kinder und ohne Arbeit.

Wer diese Überlegungen von mir vertiefen will, der findet hier auf dieser Webseite genügend Artikel, die seit ca. zehn Jahren den offiziellen Zeitgeist beleuchten. So wird auch seine Wandlung deutlich. Mir bleiben nur die Worte, um den Lesern dieser Zeilen die Augen zu öffnen, wenn sie einige soziale Veränderungen sehen wollen, die ich sehe.

Wer die Wahrheit sieht leidet mehr und sieht mehr, denn nur so erkennt man Chancen und Risiken.

Sollte ich mich hier nicht eindeutig oder mißverständlich ausgedrückt haben, bin ich gerne bereit, dies im anständigen Dialog zu klären.

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